Der Regenwald am Amazonas brennt

Europas Agrarpolitik ist mitverantwortlich

Liebe(r) Susanne Braun-Speck (E-Mail von der Deutschen Umwelthilfe)

in Amazonien und in vielen anderen wertvollen Waldgebieten Südamerikas wüten die schlimmsten Waldbrände seit mehr als 20 Jahren. Doch dabei handelt es sich nicht um eine Naturkatastrophe. Die Ursache liegt in politischen Fehlentscheidungen sowohl in Lateinamerika als auch bei uns, und in der menschlichen Geldgier. Durch Brandrodungen werden neue Flächen für die Rinderhaltung und den Anbau von Soja für die Fleischproduktion in Europa geschaffen. Diese beiden Faktoren sind die wichtigsten Treiber für die Zerstörung der einmaligen Regenwälder Südamerikas. Der globale Anbau von Soja hat sich zwischen 1990 und 2018 mehr als verdoppelt, denn die Menschen konsumieren immer mehr Fleisch und Milch.

© pedarilhos / Fotolia

Die verheerenden Waldbrände in Amazonien dezimieren nicht nur die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt in der Region, sie setzen auch riesige Mengen des Klimagases CO2 frei, die die Erderwärmung weiter anheizen. Damit sind die Brände keine nationale Angelegenheit der südamerikanischen Staaten mehr, sie gehen jeden Menschen etwas an. Die Feuer am Amazonas sind ein weiterer Brandbeschleuniger für die Klimakatastrophe!

Helfen Sie jetzt!

Soja als Schlüsselstoff für Massentierhaltung in Deutschland

Warum wird für Sojaanbau so viel Fläche benötigt? Soja ist eine Eiweißpflanze der Subtropen. Brasilien und Argentinien als Hauptanbaugebiete produzieren allein fast die Hälfte des Sojas auf der Welt mit 170 Millionen Tonnen pro Jahr. Das pflanzliche Eiweiß wird vor allem in Form von Sojaschrot für Futtermittel exportiert. Dieses Futter ersetzt Eiweiß, das in Deutschland nicht angebaut wird und damit die gewaltige Fleischindustrie Deutschlands überhaupt erst ermöglicht.

Der wahre Preis des Schnitzels – die Natur zahlt drauf

Fleisch aus Deutschland ist beliebt auch wegen des niedrigen Preises. Große Mengen in Deutschland produzierten Fleisches werden zudem ins Ausland exportiert, vor allem nach China. 500g Schweinefleisch kosten oft nur um die zwei Euro. Diese Rechnung geht für die deutsche Fleischindustrie nur dann auf, wenn Nutztiere leiden und Südamerikas Natur draufzahlt.

© Sonja Birkelbach / Fotolia

Industrielle Landwirtschaft in der EU heizt Brandrodungen an

Die Agrarpolitik der EU trägt somit an der Zerstörung der einmaligen Natur in Südamerika eine große Mitverantwortung. Mächtige Verbündete im Europaparlament, in den europäischen Bauernverbänden und der Ernährungsindustrie verdienen mit industrieller Landwirtschaft und ihren billigen Produkten sehr viel Geld. Diese Form der Landwirtschaft setzt auf große Agrarkonzerne statt auf bäuerliche Familienbetriebe und fördert Masse statt Klasse. Das Ergebnis sind viel zu viele Nutztiere auf viel zu kleiner Fläche. Nicht nur das Tierwohl bleibt bei dieser Landwirtschaft auf der Strecke, die gigantischen Mengen an Gülle und Tierkot verseuchen das Grundwasser und belasten die Umwelt. Ungefähr ein Drittel aller Grundwasser-Messstellen in Deutschland weisen zu hohe Belastungen mit schädlichem Nitrat auf. Nitrat, das hauptsächlich aus der Tierhaltung stammt.

Wir kämpfen für entwaldungsfreie Lieferketten

Wir engagieren uns gegen eine naturzerstörerische Agrarwirtschaft und haben daher 2018 das Bundeslandwirtschaftsministerium wegen des Verstoßes gegen die Nitratrichtlinie verklagt. Wir setzen uns für eine ökologische Landwirtschaft ein, die nur so viele Tiere hält, wie Natur und Böden verkraften. Die Zertifizierung für Agrarrohstoffe aus dem Ausland kann ein Weg sein, Entwaldung auszuschließen. Beim Palmöl sind wir bereits aktiv und unterstützen Deutschland beim Ziel, bis 2020 nur noch zertifiziertes Palmöl zu beziehen. Ähnlich wie beim Palmöl kann auch zertifiziertes Soja ein Mittel sein, um sicherzustellen, dass keine Entwaldung beim Anbau stattgefunden hat. Wir setzen uns außerdem dafür ein, dass die unsinnige Beimischung von Palm- und Sojaöl zum Dieseltreibstoff umgehend beendet wird. Der Regenwald gehört nicht in den Tank! Bitte werden auch Sie aktiv und helfen Sie uns, diese Arbeit konsequent weiterzuführen. Werden Sie Teil der Deutschen Umwelthilfe – als neues Fördermitglied!

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.